Ein Gang durch das Heimatmuseum der Stadt Kirchen

Wir betreten das Museum durch den Haupteingang von der Wiesenstraße aus, durchschreiten ebenerdig zwei größere Ausstellungsräume und begeben uns über eine Steintreppe hinab ins Kellergeschoss. Hier beginnen wir unseren Gang durch das Museum.

Im Kellergeschoss erhält der Besucher Informationen über die einst für unsere Region typische Nutzung des Hauberges, einer ganz bestimmten Form der Niederwaldnutzung, und die damals von vielen im Nebenerwerb betriebene Kleintierhaltung. Zu jedem Haus gehörte auch eine Waschküche mit den ausgestellten Arbeitsgeräten. Eigentümlich scheint hier ein in den Boden eingelassener „Gullideckel“, der auf das frühe Wasserleitungssystem, finanziert durch die Kirchener Millionärsfamilie Stein, hinweist.

Interessant ist auch ein kleines Funktionsmodell eines Göpels, mit dem vor der Einführung des Elektromotors landwirtschaftliche Maschinen betrieben werden konnten.

Steigen wir die Treppe zum Erdgeschoss hinauf, so sehen wir links an der Wand Bildtafeln. Sie erinnern an einige frühere Gewerbebetriebe im unteren Asdorftal bei Wehbach: die Aktien-Brauerei Buchenhof, die Gerberei Kraemer/Schumacher im Ortsteil Gerberei und die Ziegelei und das Sägewerk der Familie Morgenschweis in Wehbach.

Im Erdgeschoss ist der größte Raum ganz zwei ehemaligen Firmen im Stadtgebiet gewidmet,die zusammen in guten Jahren über 2500 Menschen Arbeit und Brot gaben und der Region Wohlstand bescherten: das Stahl- und Walzwerk der Friedrichshütte AG, Abt. Carl Stein Wehbach, und die Lokomotivfabrik Arnold Jung, Jungenthal. Zahlreiche Bildtafeln und sonstige Exponate verdeutlichen die Firmengeschichten der beiden Werke, gewähren Einblicke in das Arbeitsleben und geben Überblick über die erzeugten Produkte. Interessant anzuschauen sind hier ein mit allen früher gebräuchlichen Arbeitsmitteln ausgestatteter Arbeitsplatz eines Technikers und mehrere Modelle von Jung-Lokomotiven.

 

Ein Hinweisschild „Bergbau“ über einem Durchgang verweist auf einen kleinen Nebenraum, in dem Schätze des Bergbaus ausgestellt sind, der für die Entwicklung Kirchens auch von besonderer Bedeutung gewesen ist. Ein nachgebauter Stollenabschnitt gibt den Blick in ein Bergwerk frei, vermittelt den Eindruck einer aktuellen Abbaustelle des 19. Jahrhunderts.

Im zweiten, größeren Raum des Erdgeschosses weisen eine Stellmacherei, eine Schmiede und eine Schusterwerkstatt auf altes Handwerk hin. Wie man früher bei „Tante Emma“ einkaufte, als man noch in den Kolonialwarenladen ging, zeigt eine alte Ladeneinrichtung. Lebensmittelmarken und Inflationsgeld erinnern an schwierige Zeiten für die Versorgung der Bevölkerung.

Wir wenden uns nun wieder dem Eingangsbereich zu und begeben uns über eine Holztreppe in die nächste Etage. Im Treppenhaus begegnen wir mehreren historischen Fahnen, über die kurze Texte Auskunft geben. Nimmt man dort auf der alten Anklagebank des Kirchener Amtsgerichtes Platz, so kann man die wundervoll gearbeiteten Fahnen der Gesangvereine und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold auf sich wirken lassen.

Im 1. Obergeschoss sind eine Wohnküche, ein gut bürgerliches Wohnzimmer und ein Schlafzimmer zu besichtigen, wie sie von älteren Menschen noch bis in die 1950er Jahre genutzt wurden. In einer Glasvitrine im Schlafzimmer befindet sich ein Brautkleid, das im Nachkriegsjahr 1946 aus Fallschirmseide für eine junge Kirchenerin geschneidert wurde.

Der größte Raum des obersten Geschosses ist der Geschichte der Kirchener Stadtteile vorbehalten. Hier haben die Bürgerinnen und Bürger aus den sieben Stadtteilen die Geschichte ihres Wohnumfeldes in Eigenregie auf unterschiedliche Art und Weise dokumentiert und zu einer äußerst interessanten Gesamtschau zusammengeführt. Bei einem Rundgang fallen dem Betrachter u.a. die repräsentativen Villen auf, die stellenweise noch heute das Bild Kirchens mitprägen. Es waren die Wohnsitze der einstigen Millionäre Kirchens. Insgesamt zwölf Millionärsfamilien wohnten hier zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und machten damals Kirchen zum „reichsten Dorf Preußens“.
Von diesem Raum hat man auch einen guten Überblick auf das Museumsgelände. Man erkennt sofort, dass wir im Außenbereich zwei kleinere Loks der Firma Arnold Jung aufgestellt haben. Es sind dies eine mit Diesel betriebene Feldbahnlok mit Kipploren und eine Druckluftlok, die im Bergbau eingesetzt wurden. Außerdem fällt der Blick auf die große „Pfanne“, in der das flüssige Eisen in Stahlwerken vom Ofen zu den Abkühlbehältern, den Kukillen, transportiert wurde. Dominiert wird das Außengelände allerdings optisch von der noch relativ neuen Scheune, die in den nächsten Jahren noch ausgebaut werden soll. Nach der Überarbeitung ausgelagerte Exponate, hauptsächlich aus dem Bereich Landwirtschaft, sollen diese hier ausgestellt werden. 
 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.